Rock the Ring 2022

Gemäss Veranstalter pilgerten gut 16'000 Besucher*innen ins Zürcher Oberland, um bei sengendem Sonnenschein Acts in vielerlei Rock-Kategorien zu konsumieren. Wir berichten exemplarisch vom Samstag.

Die Sounds

Glaubt man Unkenrufen aus Übersee, sind Dirty Honey  dort gerade gross angesagt und werden ebenso gepusht (oder etwa umgekehrt?). Die ersten Riffs erinnern an frühe AC/DC, der Vokalist wiederum klingt ein wenig wie Axl Rose und sowieso fragst du dich ständig: Zeppelin, Lynyrd Skynyrd, eine Prise Chili Peppers (einfach ohne Funk)? Et cetera. Die vier Westküstler präsentieren aufgepimpten 70er Rock, der auf jeden Fall noch eine Portion Dirt verträgt, sich dennoch aber in die Stimmung einfügt und als Opener tipptopp funktioniert.

Mit Accept stehen Altstars auf der Bühne, heisst vor allem Hoffmann, weil von der Originalbesetzung sonst ja keiner mehr mittut. Über Markennamen lässt bekanntlich sich ja streiten, eigentlich aber weiss jede*r, dass Inhalt und Verpackung nicht dasselbe... (Doch frag Dirkschneider himself, der seinerseits es grossartig verpasst hatte, sich das Accept-Label selbst zu schnappen.) Jedenfalls legen die Jungs los wie sagen wir mal rüstige 40 und servieren scharf geschnittenen Metal vom Feinsten. Präzise gespielte Gitarren, akkurate Solis, sowie das Organ von Mark Tornillo gerade die Klassiker aus den 80ern vital zu interpretieren vermag. Wagen die Herren sich jedoch an neueren Stoff, scheint ihnen die Energie wie weggeblasen, was sich unweigerlich auf die Audienz überträgt. Als ob die Artisten vor der Last der Vergangenheit kapitulierten. Was natürlich Unsinn und ebenso schade ist.


Black Label Society sind Zakk Wylde, der bei Ozzy in die Lehre gegangen war, ergänzt um hochkarätige Wegbegleiter. Kaum die Bühne geentert, legen sie los, als ob ihnen der Leibhaftige im Nacken sässe, was mir dann vorkommt wie Hurrikan oder sonst so Sturm. Bleischwerer Doom mit purer Lust vorgetragen, wobei du manchmal denkst, Zakk habe sich bei Ozzy mehr als nur abgeschaut. Ein echtes Vergnügen jedenfalls, dass wir einhellig bereit sind, den Amis ihre unnötigen Soloinputs und balladesken Abschweifungen grossmütig zu verzeihen. (Weshalb Gitarren hinter dem Kopf gespielt werden wollen, wenn’s vorne rum einfach (noch) besser klingt, geht mir jedenfalls nicht auf. Aber auchg egal.)


Wegen Alice Cooper hat sich so manch Ü60er mit glänzenden Äuglein sich nach Hinwil bequemt, was dem Anlass durchaus Gemütlichkeit verleiht. Wir betrachten den Auftritt aus professioneller Distanz, weil von Nahem schielst du stets nach dem nächsten Defibrillator.


Das Interview mit Marc Storage (Krokus, Storace)

Ca. 21:30 auf dem Parkplatz hinter der Bühne. Einer, der sich bedeckt hält, zwei vom Radio plus HeAvYmeTal.ch warten darauf, mit Marc ein paar Worte zu wechseln. Der vom Radio führt ‘ne Riesenklappe, weil er wie’s scheint mal bei Marc im Studio gewesen war, worauf ich mir den Sender merke, um garantiert nie reinzuhören. Vorne beim Restaurant lümmeln die Jungs von Accept, wahrscheinlich gerade aus der Massage, dem Eisbad oder so ähnlich. Jedenfalls machen sie einen entspannten Eindruck.

Marc entpuppt sich letzlich als sympathischer, fast scheuer Typ, dass du kaum glaubst, dass der Mann ausverkaufte Stadiontourneen hinter sich hat. Unser Gespräch dreht sich um TEA, seine First-Band, London der 80er und natürlich Krokus. Und ja: Marc den Jungs von AC/DC damals tatsächlich eine Abfuhr erteilt, vordergründig aus Gründen von Kollegialität (!!!).

Das vollständige Interview folgt gegebenenfalls später, man hat ja nicht den ganzen Tag Zeit…


[Text und Fotos: Tanja & Claude von HeAvYmeTaL.ch]