Meh Suff 2022: Nomen est Omen?

Swissness

Gleich zu Beginn vollführen Algebra ihren Lausanner Trash, der sich durch hervorragende Riffarbeit auszeichnet, heisst treibend, technisch auf Höchstniveau, plus zuweilen angenehm sperrig. "Voivodesk", schreit mir der berühmte Nebenmann ins Ohr, obwohl ich gerade an Death Angel zu besten Zeiten denke. (So verhält es sich eben mit Vorbildern, entweder nämlich gar nicht oder sie überfallen dich zu Haufen.) Algebra jedenfalls wissen, wie Musik synthetisiert wird, was für Ingredienzen da hineingehören und in welchen Mengen sowieso. Ein super Gig ohne Wenn und Aber! Die Band im O-Ton:

"We were so honored to play at Meh Suff festival this year! The staff, the bands and public were all amazing, as was the organisation. Thanks for this momorable experience and for allowing us to play new songs from our 4th album for our Swiss German brothers and sisters. The album will be out on 19th September. Make sure to check it out HERE."

Und ja: Chiroptera gehört GEKAUFT und nicht bloss gestreamt!!! (Unseren Review findest du übrigens HIER.)

Weiter gehts mit Mind Patrol, die sich derselben Kiste bedienen, ihrerseits aber eine deutlich süffisantere Gangart wählen. Insbesondere Refrains gestalten sich zuweilen absehbar melodiös, sprich mitsingtauglich. Jedoch voll okay, wem's liegt... Alles in allem erleben wir einen soliden Auftritt der Luzerner, die mit Milking the Masses ein Album am Start haben, welches die Ambitionen der Band zu unterstreichen vermag. Mind Patrol fügen hinzu:

„Es hat uns unheimlich Spass gemacht und war uns eine Ehre!“

Total Annihilation servieren technisch versierten Spätachtzigertrash der geradlinigen Sorte, wie wir ihn etwa von deutschen Vertretern der Gattung kennen und lieben. Jedenfalls nicht die Art Metall, zu der du dich vornehm Melodiebögen bewundernd zurücklehnst, sondern gerade andersrum attackieren Total Annihilation deinen Gemütlichkeitsfimmel konsequent in guter alter Rock'n'Roll Manier. So, wie es halt sein muss...

Seit den Neunzigerjahren pflegen Cremation gutgelaunten, schnörkellosen Walliser Todesmetall, der sich zeitgemässen melodischen Elementen weitgehend zu entziehen vermag. Dass die Jungs nach über 27 Jahren Bandgeschichte noch immer mächtig Bühnenspass feiern, spricht für sich!

Der Überraschungsgast ColdCell stellt meinerseits die Entdeckung des Festivals dar. Nicht vordergründig ihres Sets wegen - obwohl dieses Klasse hat -, sondern dem noch innewohnenden Potential. Mein Lieblingsquotengeber meint denn, dass der Bogen halt noch irgendwie fehle - und wer bin ich denn, um nicht zuzustimmen? Beim Zuhören juckt ständig dieses Amenra-Moment, wobei nicht viel fehlt, doch eben fehlt... Wegen dem Bogen, schnallst du: Exposition, Peripetie, blabla und so weiter, jenes Konzeptuelle halt, was Bands dieses Labels auszeichnet. Meinerseits jedoch bin ich überzeugt, dass wir von ColdCell in diese Richtung noch hören werden!

Mit all den Asgards dieser Welt füllst du mehr als Ásgarðr Platz hat. Unsere Schweizer Asgard grundieren sich vor Liveauftritten die Köpfe weiss und malen Muster drauf, Symbole, du weisst schon welche. Bedeutet erstens: Schwarzmetall. Zweitens nordisch noch dazu. Asgard halten ihr Versprechen, was eh jede*r bereits weiss, da sie interkantonal beinahe schon als Institution gelten. Asgard liefern eingangs erwähnte Beständigkeit, experimentieren nicht rum wie blöd, überraschen kein bisschen, dafür aber verlieren sie den Faden nicht, logo, was insgesamt funktioniert. Live auf jeden Fall. Dass die Jungs nicht zum ersten Mal auf der Bühne stehen und ihr Handwerk verstehen, kommt noch hinzu. In Fabios Worten:

„Wir bedanken uns bei der gesamten Meh Suff - Crew für das hammer Fest, bei allen die uns Erinerungsfotos gesendet haben, bei allen die unseren Gig besucht haben und uns mit dem Kauf von Merch unterstützt haben.“

Fazit

Auf unserer sorgfältig arrangierten Festvalskala von Null bis Zehn verdient sich das Meh Suff Festival lockere 8 plus. Obwohl das Musikprogramm heuer in der Tat noch Auffrischung vertrüge, besticht es durch konstante Qualität. Die Organisation vor und hinter der Bühne schlägt mit einer 1A zu Buche, insbesondere der Gastrobereich stellt restlos alle zufrieden. Höchstnoten dürfen aber vor allem aber im Stimmungsbereich verteilt werden. Anzeichen von Gewalt siehst du - wenn schon - lediglich bühnenseitig, wobei die ja auch dafür bezahlt werden  - oder aufgrund Nationalitätszugehörigkeit vorerst zu entschuldigen sind. Die meisten Befragten bezeichnen den Festivalgroove als "irgendwie familiär", was fast schon inzestuös daher kommt, aber lassen wir dem Leibhaftigen noch das Seine, ausser eben 1914 spielt auf…

Impressionen

Algebra (Foto: claude@heavymetal.ch)

Mind Patrol (Foto: claude@heavymetal.ch)

ColdCell (Foto: claude@heavymetal.ch)

Asgard (Foto: claude@heavymetal.ch)

Necroophobic (Foto: claude@heavymetal.ch)

Unleashed (Foto: claude@heavymetal.ch)

Finntroll (Foto: claude@heavymetal.ch)

1914 (Foto: claude@heavymetal.ch)